
Im Schloßpark

Der Stifter
Graf Galen

Im Schloß, Roter Gang

Am Schloßportal
Christoph Bernhard Graf von Galen
wurde am 11. Januar 1907 als Sohn des Königlich-Preußischen Landrats August Graf von Galen und seiner Gattin Levina Gräfin von Korff-Schmising als fünftes von sechs Kindern in Bonn geboren. Nach dem Schulbesuch in der Katholischen Domschule in Münster sowie in den Jesuitenkollegs Sittard in den Niederlanden und in Feldkirch/Österreich machte er 1925 in Warburg das Abitur. Bedingt durch schicksalhafte Ereignisse in seiner Familie, den Tod seines ältesten Bruders Ferdinand im Juli 1918 an der Westfront und den Tod seines Onkels Friedrich im November 1918 in Haus Assen, nahm er schon als junger Mann nach seiner Volljährigkeit 1928 seine Verpflichtungen als Besitzer und Verwalter des Familienerbes in Haus Assen, Burg Dinklage und Münster wahr. Bereits im Jahr 1919 war seine seit 1912 verwitwete Mutter mit ihren Kindern nach Haus Assen übergesiedelt. Die ihm dort gestellten Aufgaben mit Ländereien und Forsten nahmen Graf Galen so in Anspruch, dass er seine persönlichen Interessen zurückstellen und sich voll für die Weiterentwicklung seiner Besitzungen einsetzen musste, die damals noch sehr personalintensiv waren und einen entsprechenden Aufwand an Kenntnissen und Erfahrungen voraussetzten. Christoph Bernhard Graf von Galen fühlt sich nicht nur wegen seiner Herkunftsfamilie und durch das Vorbild seines Onkels, sondern aus innerer Verantwortung gegenüber Staat, Kirche und Gesellschaft heraus immer wieder dazu verpflichtet, Stellung zu beziehen und seine oft als unbequem empfundene Meinung zu äußern. Dabei wirkt er so aktiv, so überzeugend, dass sein hohes Alter völlig zurücktritt und eine nach wie vor mit den Entwicklungen und Tendenzen der Gegenwart vertraute Persönlichkeit ins Blickfeld rückt, die schlagfertig und auch mit Humor ihre Meinung ins Spiel bringt. Allen Herausforderungen der Zeit mit gravierenden Wandlungen und unter wechselnden politischen und wirtschaftlichen Bedingungen in der Weimarer Republik, im Dritten Reich, während des Krieges und in den Nachkriegsjahren versuchte Graf Galen gerecht zu werden. Seit 1931 war er mit Marie-Sophie geb. Reichsgräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau verheiratet, die nach über sechzigjähriger Ehe am 26. Oktober 1992 im Alter von 83 Jahren starb und in der Klosterkirche der Benediktinerinnen in der Burg Dinklage ihre letzte Ruhestätte fand. Graf Christoph Bernhard sah seine Frau und sich, wie er sagt, als „ein ideales Gespann” an, bei dem beide harmonisch an einem Strang zogen und sich stets einer auf den andern verlassen konnte. Gräfin von Galen wusste Haus Assen für ihre sechs Kinder, fünf Töchter und einen Sohn, zu einer Stätte der Geborgenheit zu gestalten, in der immer wieder großzügig Gäste aufgenommen wurden und auch von 1947 bis 1949 die etwa zwanzig aus der damaligen sowjetischen Besatzungszone geflohenen Benediktinerinnen aus Alexanderdorf bei Berlin bis zu ihrem Umzug auf die Burg Dinklage Zuflucht fanden. Christoph Bernhard, seit 1946 Mitglied der CDU, engagierte sich von 1945 bis 1969 im Gemeinderat Lippborg und von 1945 bis 1959 im Kreistag von Beckum. Den Vorschlag, für den Landtag zu kandidieren, lehnte er ab, weil ihm seine Aufgaben in Haus Assen nicht genügend Zeit ließen, um nach seiner Meinung diesem Anspruch gerecht werden zu können. Von 1958 bis 1972 war er „Hochmeister” im „Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften”. Auch in adligen Vereinigungen wie bei den Rittern des Malteserordens und im „Damenclub”, einer bereits im Jahr 1800 in Münster gegründeten politisch-gesellschaftlichen Adelsvereinigung, war und ist er vertreten. Gefragt nach seinen Hobbys nennt Graf Christoph Bernhard das Reisen, dem er während des Dritten Reiches nur wenig nachkommen konnte, aber später um so intensiver mit seiner Frau nachging. Brasilien, Peru, die USA, Israel und ganz besonders Neuseeland bezeichnet er als früher bevorzugte Reiseziele, wenn er auch jetzt Erholungswochen in Kärnten für angemessener hält. Doch das hinderte ihn nicht, im Frühjahr 1999 mit zweien seiner Töchter nach Agadir in Marokko zu fliegen und die südliche Sonne am Strand zu genießen. Immer wieder fährt Graf Galen auch zu „seinen” Benediktinerinnen auf Burg Dinklage, wo er das Grab seiner Frau besucht und von den Schwestern als „Vater Graf” gastfreundlich aufgenommen wird. Christoph Bernhard Graf von Galen erwartet sehnlichst, dass der für seinen Onkel Clemens August Graf von Galen seit vielen Jahren laufende Seligsprechungsprozess bald zu seinem Ziel führt, damit auf diese Weise der Widerstand des Bischofs von Münster gegen das Naziregime seine Krönung erhält.
Entnommen dem Buch: Ein Leben im XX. Jahrhundert von Günter Beaugrand, Börde Verlag Werl, mit freundlicher Genehmigung des Autors.